Die Namen der
Straßen und Wege
in
der Stadt Hörstel
- Geschichte und Bedeutung der Straßennamen in den verschiedenen Ortsteilen -
In Deutschland waren Straßennamen in Städten,
Gemeinden und Dörfern früher weitgehend unüblich; man orientierte sich an den
Namen der Höfe bzw. Häuser, da jedes Haus einen Namen hatte, den sogenannten
Hausnamen. Auf diese Weise waren die Häuser von Fremden auch wegen der dünnen
Besiedlung vergleichsweise einfach zu finden. Das Namensrecht als
Gewohnheitsrecht insbesondere im Bereich des plattdeutschen bzw.
niedersächsischen Sprachraumes sicherte den Erhalt des Hausnamens bis zur
Einführung des Familiennamens durch den König von Preußen im Jahre 1816.
Zwischen 1660 und 1680 wurden jedoch ämterweise
sogenannte Häuserregister eingeführt, um den Grundbesitz und die Besteuerung zu
erfassen. Seit 1768 wurden im Rahmen der landesweit eingeführten
Brandversicherung, der "Brand-Societät" sogenannte Brandkataster
aufgestellt, die ebenfalls auf die Eigentumsverhältnisse eingingen. Mit der
Einführung dieser Versicherung erfolgte auch die Vergabe von Hausnummern und
der Bezeichnung des Ortes oder der Bauerschaft. Auch heute noch gibt es
Anschriften auf diese Weise. Die wohl weltweit berühmteste Hausnummer lautete
4711 und ist die Markenbezeichnung für ein Eau de Toilette aus Köln.
Im Gebiet der heutigen Stadt Hörstel begann man
ab ca. 1780 damit, die Lage der Häuser im Dorf bzw. in der Bauerschaft mit
einer fortlaufenden Nummer zu kennzeichnen. So gab es die Hausnummer Dorf 1,
Dorf 2, Dorf 3 usw. oder Birgte 1, Birgte 2 usw. Wurde ein Haus abgerissen
erhielt das nächste neugebaute Haus die frei gewordene Nummer. Vereinzelt gab
es jedoch auch schon Straßen- bzw. Flurbezeichnungen aus älterer Zeit in
Verbindung mit der örtlichen Hausnummer, die die Zuordnung und das Auffinden
der Häuser erleichterten. Wann jedes Dorf bzw. die damalige Stadt Bevergern
Straßennamen einführte, wird unter den jeweiligen Ortsteilrubriken erläutert.
In der heutigen Zeit erfolgt die Numerierung der
Häuser üblicher Weise an den jeweiligen Straßen normaler Weise fortlaufend von
der Ortsmitte oder bei Stichstraßen vom Straßenanfang aus auf der linken
Straßenseite mit 1, auf der rechten mit 2 beginnend, links also die ungeraden,
rechts die geraden Hausnummern.
Bevergern

Die ersten Bevergerner Bürger erscheinen in
den Urkunden des Klosters Gravenhorst. Vom 13.-17. Jahrhundert sind es über 120
Namen. Ab 1427 sind alle Bürgeraufnahmen im Bürgerbuch von Bevergern
aufgeführt; dies geschieht zunächst jedoch nicht jährlich, sondern in relativ
großen zeitlichen Abständen (auf 1427 folgt 1478, 1500, 1540, 1560; ab 1570
sind die Einträge kontinuierlicher). Offensichtlich hat man die Namen gesammelt;
die Jahreszahlen weggelassen oder später von einem älteren Manuskript
abgeschrieben. Für 1427 sind allein 92 Personen aufgezeichnet. Die erste uns
bekannte Auflistung von allen Einwohnern ist die sogenannte Willkommschatzung
von 1498/1499. Zur Begrüßung des neuen Bischofs Conrad II. von Münster wurden
zusätzliche Steuern erhoben. Für Bevergern sind 71 Familien angegeben. Von 1664
existiert eine Personenschatzung (117 Familien) und von 1666 eine
Einwohnerliste (118 Familien). Hier ist jedoch jeweils nur der
Haushaltsvorstand eingetragen. Von 1669 ist ein Häuserregister überliefert. In
der Einwohnerliste von 1708 sind 171 Familien mit insgesamt 768
Familienmitgliedern (mit Altersangabe) eingetragen. Die Einwohnerliste von 1713
weist als erste Aufzeichnung eine durchgehende Numerierung auf. 196 Familien
(nur das Gasthaus hat keine Nummer) mit 840 Personen (mit Altersangabe) sind
verzeichnet. Das sogenannte Status animarum (Seelenverzeichnis) von
1749/1750 hat eine Häusernumerierung. Es gibt 194 Häuser, sechs Häuser sind
leerstehend und in 25 Häusern gibt es Untermieter. Insgesamt 814 Personen sind
mit Alters- und Berufsangaben aufgelistet. Das erste Hausstättenverzeichnis (Brand-Societät)
datiert von 1784 (sog. Index Weddige).
Im Rahmen der landesweit eingeführten Brandversicherung wurden von 1770-1805
die ersten Hausnummer vergeben. 194 Häuser mit dem Haushaltsvorstand und der
Berufsangabe werden erwähnt. 18 Häuser sind leerstehend oder es fehlen die
Eintragungen. Küsterei, Kirche, Hospital und Rathaus haben ebenfalls eine
Hausnummer bekommen. 1837 wurde das Brandkataster neu geordnet. Es wurden neue
Hausnummern vergeben, die bis 1966 ihre Gültigkeit behielten. In Bevergern
wurden am 01.07.1966 Straßenbezeichnungen eingeführt. Bis zu dieser Zeit gab es
561 Hausnummern, wobei 64 Nummern fehlen, da diese Häuser vermutlich
zwischenzeitlich abgerissen worden waren. Auch nach 1966 behielten 19 Häuser in
den Außengebieten ihre alte Hausnummer. Am 01.01.1975 mussten in der Stadt
Hörstel etliche Straße umbenannt werden, da es in den vier Stadtteilen aufgrund
von doppelten Bezeichnungen zu Überschneidungen gekommen war. Vor 1966 gab es
jedoch auch schon Straßenbezeichnungen. Im Urkataster von 1827/28 sind zwölf
Straßennamen aufgeführt: Die lange Stiege, Torfmoorstiege, Merschstiege
(Mühlenpättken), Hinterm Haagen, Lange Straße, Hundegang (zwischen Neier und
Epping), Burgstraße, Faule Stiege (von-Galen-Straße), Sendstiege,
Pandechtengasse (Herrenstraße), Mühlenplatz (Levedagsche Mühle) und Landwehrweg
(östlich am alten Friedhof). Im Kataster von 1960 sind 14 und im Kataster von
1966 sind 19 Straßen namentlich erwähnt.
Dreierwalde

Eine Beschilderung mit Straßennamen wurde im Jahre 1969 eingeführt. Weitere Informationen werden zur Zeit zusammengetragen.
Hörstel

Die Informationen werden zur Zeit zusammengetragen.
Riesenbeck

Die Häuser in Riesenbeck wurden lange Zeit
nach der Einführung fortlaufender Hausnummern für das Dorf sowie für die
Bauerschaften Birgte, Bergeshövede und Lage gekennzeichnet. So gab es die
Nummern ab Dorf 1, ab Birgte 1, ab Bergeshövede 1 und ab Lage 1. Daneben waren
aber auch Namen für Wege und Straßen im Gebrauch ohne offizielle Festlegung
etwa durch Straßenschilder. Einer der ältesten, heute noch existierenden
Straßennamen ist der "Gelsbach". An dieser heutigen Straße floß
früher der Gelsbach, plattdeutsch die "Gelsbiëke" entlang. Diese
Wegbezeichnung geht bis in das 16. Jahrhundert zurück. In einer Aufschreibung
aus dem Jahr 1905 sind die Straßennamen Bervergerner Straße, Fabrikstraße,
Hospitalstraße, Kanalstraße, Kirchplatz, Langestraße und Oberdorf verzeichnet.
Diese Namen tauchen allerdings 1939 in einer neueren Auflistung nicht mehr auf.
Auf Drängen des Tecklenburger Landrats beschloß
der Gemeinderat Riesenbeck im Jahre 1947 die Einführung von Straßennamen und
legte diese auch fest. Zu einer Beschilderung kam es allerdings nicht. Wenige
Jahre später erneuerte der Gemeinderat 1954 bzw. 1955 den Beschluß zur Einführung
von Straßennamen. Dazu machte der Heimatverein Riesenbeck neun Vorschläge. Nun
wurden hölzerne bemalte Schilder überwiegend an den Häusern am Straßenanfang
bzw. Straßenende angebracht.
Wiederum vergingen einige Jahre bis der Rat das
Thema Straßennamen 1960 wieder aufnahm. Nun erfolgten für den Dorfbereich zehn
Vorschläge vom Rat und der Beschluß, blaue Metallschilder mit weißer Schrift
einzuführen. Dazu kam es aber aus Kostengründen nicht, wohl auch aufgrund der
Tatsache, daß andere Gemeinden sich für weiße Schilder mit schwarzer Schrift
entschieden hatten. Den Vorschlägen für das Dorf folgten 1964 auch solche für
die Siedlungsgebiete. Insgesamt begannen nun die Beratungen auf der Grundlage
von 81 Namensvorschlägen und neun Änderungsanträgen. Immerhin nahm der Rat acht
Änderungen an!
Am 14. Juni 1966 heißt es in der Tageszeitung:
"Seit mehreren Jahren schon beschäftigt sich der Gemeinderat mit der
Bezeichnung von Straßen und Wegen in der Gemeinde. Inzwischen hat der Haupt-
und Finanzausschuß in drei Sitzungen Generalstabsarbeit geleistet
und dem Rat für sämtliche Wohnstraßen und ausgebauten Straßen - auch in den
Bauerschaften - Straßennamen vorgeschlagen. Wir werden unsere Leser mit diesen
Vorschlägen in einer der nächsten Ausgaben unserer Zeitung bekanntmachen. Der
Gemeinderat wird in seiner nächsten Sitzung über die Straßennamen endgültig
Beschluß fassen. Alsdann wird auch die Neunumerierung der Häuser in Angriff
genommen."
Nachdem der Gemeinderat in seiner Sitzung vom
19. Dezember 1966 nochmals vier Straßennamen änderte begann 1967 die Zuordnung
der Hausnummern durch die Verwaltung.
Erst am 01. Januar 1968, also viele Jahre nach
Einführung der vierstelligen Postleitzahl am 1. November 1961, erhielten
die 77 Straßen und Wege eine amtliche Bezeichnung. Um den Unmut der
Bürger aus den Bauerschaften zu besänftigen wurde erlaubt, zusätzlich zur
Straßenbezeichnung auch den Bauerschaftsnamen "Bergeshövede",
"Birgte" oder "Lage" unter dem Ortsnamen "4441
Riesenbeck" zu nennen. Die Anbringung der Schilder erfolgte 1969.
Einige Umwidmungen wurden durch die im Jahre
1975 vollzogenen kommunale Neugliederung erforderlich, weil in den zur Stadt
Hörstel vereinigten vier Ortsteilen Straßennamen doppelt vorhanden waren und
durch andere ersetzt werden mußten. Nach der Niederschlagung der
Verfassungsbeschwerde Riesenbecks gegen die Neugliederung waren 1978
sechzehn Straßennamen in Riesenbeck zu ändern. Mit der Benennung der
Wirtschaftswege im Jahr 1980 hatten schließlich alle vorhandenen Wege und
Straßen einen eigenen Namen. Die Ausweisung von neuem Bauland wegen der starken
Nachfrage machte es immer wieder erforderlich neue Straßen anzulegen und diese
auch zu benennen. Hierzu hat der Heimatverein Riesenbeck ein Vorschlagsrecht,
von dem er rege Gebrauch macht.
Mit der Einführung der fünfstelligen
Postleitzahl infolge der Wiedervereinigung verlor Riesenbeck am 1. Juli 1993
seine eigenständige Postleitzahl. Seitdem lautet sie für das gesamte
Stadtgebiet Hörstel einheitlich 48477.
Bitte wählen Sie die gesuchten Straße mit einem Doppelklick auf den Anfangsbuchstaben in der nachfolgenden Tabelle an. So gelangen Sie zu den einzelnen Straßenregistern.
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X |
Y |
Quellenverzeichnis
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Bockhorst, Wolfgang: Beiträge zur Westfälischen
Familienforschung, Band 52, Verlag Aschendorff, Münster 1994 |
|
N.N.: Riesenbeck
-Aus Vergangenheit und Gegenwart eines Münsterländischen Dorfes,
Lammert-Druck, Riesenbeck |
|
www.eau-de-cologne.com |
Glossar
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Brook |
(niederdeutsch Brook = Bruch) mit Bäumen und Sträuchern
bestandener bestandenes Sumpfgebiet |
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Damm |
Aus Erde, Steinen, Knüppeln oder ähnlichem aufgeschüttete
Befestigung des Untergrundes, über den Wege und Straßen ebenso geführt werden
können wie Eisenbahnlgeleise. |
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Esch |
(niederdeutsch. Esch = Weide/Feld), die Esch ist eine
Ackerflur, die vor vielen Jahrhunderten entstand. Vor 2000 Jahren berichteten
schon die römischen Schriftsteller von Eschen und ihren Siedlern. An einem Esch hatten mehrere Bewohner Anteile (ein Kamp
gehörte nur einem). Die Esche bildeten meist größere, von einer Gruppe von
Höfen umschlossene Flächen. (Einfeldwirtschaft, Roggenanbau). Nur im Ganzen
wurde im Münsterland eine Esche von Wallhecken umzäunt zum Schutz für das
Vieh, sonst waren sie offen. Esch = Gesamtheit von Äckern, werden zur selben Zeit
bearbeitet oder liegen brach. |
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Haar |
Geht auf das altdeutsche Hard = Bergwald, waldiger
Höhenzug zurück |
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Hagen |
Eine durch Waldrodung entstandene, eingefriedigte Wohnstätte;
mit einem Hagen wurde früher ein nachgeborener Sohn (im Gegensatz zum
Hoferben) abgefunden, die Bewohner nannte man Hagen, d.h. Hagenbesitzer,
daher später die Namen Hagemann, Hagedorn etc. |
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Hufe |
Die Hufe ist ein Ertrags- und Flächenmaß aus der Fränkischen
Zeit, das ein Gehöft und das für eine Familie als ausreichend angesehene Maß
an Acker-, Wald- und Weideflächen umfaßte. Einer Preußischen Hufe entspricht
die Fläche von 16,5 ha. |
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Kleine Türkei |
Volkstümliche Bezeichnung für Bevergern Für die Bezeichnung Bevergerns als Kleine Türkei
gibt es zwei Deutungen, die aber den gleichen Ursprung haben. Es handelt sich
um die Bedrohung des Abendlandes durch das Osmanische Reich vom 16. bis zum
18. Jahrhundert, den Türkenkriegen. Text:
Heinz-Josef Reckers |